Was für ein Spiel in der BayArena. Die erste Halbzeit Leverkusen gegen die Bayern – das war wirklich das Beste, was ich in dieser Saison gesehen habe. Und die Leverkusener haben einen Weg aufgezeigt, wie man Bayern schlagen könnte: Mutiger Tempo-Fußball. Nur das Quäntchen Glück hat gefehlt, sonst hätte es die verdiente Punkteteilung gegeben. Für Bayer 04 und besonders die Liga hätte ich es mir gewünscht. Aber ich muss auch sagen: Respekt wie die Bayern solche Spiele auch von hinten kontrollieren. Lucio, Demichelis und Zè Roberto waren ganz schön abgezockt, sie standen wie eine Mauer.
Lukas Podolski saß wieder auf der Bayern-Bank. Er ist ja wirklich ein netter Junge, aber ihm wurde als Prinz Poldi soviel Zucker in den Arsch geblasen, dass er Kreislauf-Probleme bekam. Unter Rapolder hat ihm der Konzept-Fußball nicht geschmeckt, Magath war ihm zu sehr Schleifer und Hitzfeld soll ihm jetzt acht Spiele in Folge Entwicklungszeit geben. Da frage ich mich, in welchem Phantasialand lebt Poldi? Denkt er wirklich, WM-Torschützenkönig Klose und Weltmeister-Stürmer Toni schauen ihm dabei zu? Werden sie nicht – für Traumtänzer Poldi gibt es keine Extra-Wurst. Das muss er doch wissen. Er hat sich für Bayern, inklusive dickem Vertrag, inklusive bester internationaler Perspektive entschieden. Jetzt muss er auch sehen, dass er sich durchsetzt. Da das Bayern-Duo „Kloni“ mit Bundesliga, DFB-Pokal, UEFA-Cup und Länderspielen auf vier Hochzeiten tanzt wird es für Poldi noch genug Einsatzmöglichkeiten geben. Also: Nuckel raus aus dem Mund, nicht nach Mama schreien und schön die Bleischuhe anziehen, nach dem Motto „flieg nicht zu hoch mein kleiner Freund“. Mein Vorschlag für Poldi: Stahlhelm auf, Gas geben, Dreck fressen und durchbeißen. Als Kollege Messi zum Weltklub FC Barcelona ging, hat er sich auch durchbeißen müssen, ebenso wie Cristiano Ronaldo bei Manchester United. Und ich bin sicher, der Poldi schafft das mit der richtigen Einstellung auch bei den Bayern. Er muss jetzt nur was dafür tun, also Jeff Jas, Jung!
Beim FC Schalke wird auch alles dafür getan, die Bayern richtig zu jagen. Für mich sind die Königsblauen jedenfalls neben Werder Bremen der ernsthafteste Verfolger. Der Verein zeigt, dass seriöse Arbeit auch in einem so emotionalen Umfeld möglich ist. Nach der verpassten Meisterschaft in der vergangenen Saison haben alle im Umfeld Druck gemacht: Neue Spieler, große Namen, mehr Risiko. Doch die Schalke-Bosse blieben ruhig – das sind alles Menschen die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. An der Spitze Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies, der lebt und liebt Schalke. Auch Vorstandsmitglied Peter Peters ist ein Erfolgsmensch. Unter Rudi Assauer hat er sich klammheimlich hochgearbeitet. Jetzt ist er in der Szene so anerkannt, dass er Vizepräsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist. Sportlich natürlich Trainer Mirko Slomka und Manager Andreas Müller – sachlich, fachlich und menschlich einwandfrei. Ihre Personal-Politik tut dem deutschen Fußball richtig gut. Nachdem sie die Kohle für einen echten Weltstar nicht zusammenkratzen konnten, haben sie keinen billigen Abklatsch gekauft sondern auf junges frisches Blut vertraut. Der Schweiz-Kroate Ivan Rakitic (19) und Mesut Özil (19) wirbeln vorne rum – das macht Appetit auf mehr. Ich glaube, das neben Christian Pander auch Manuel Neuer und Heiko Westermann bald im Kader der Nationalmannschaft auftauchen werden.




















