Neuer Beitrag in Calli's Corner - regelmässige Kolumne von Reiner Calmund
Alle Fußballfans fiebern dem Bundesliga-Start entgegen. Mannschaften und Spielplan garantieren erneut Hitchcock-Spannung. Die große Frage: Wird das Starensemble von Bayern München den Titel gewinnen, oder werden Schalke, Bremen oder Stuttgart erneut den mächtigen Favoriten ärgern? Sicher ist nur: Es wird nur einen deutschen Meister geben und drei Absteiger. Mit Sicherheit wird es auch wieder neue Zuschauer-Rekorde und gigantische TV Quoten geben.
FC Bayern München
Dass der FC Bayern nach dieser Saison zuschlagen würde überraschte keinen. Aber wie sie dann zuschlugen - Junge, Junge! Weltmeister Luca Toni, Vizeweltmeister Franck Ribery, WM Torschuetzenkoenig Miro Klose, Ze Roberto, WM-Dritter Marcell Jansen und, und und – da wurde Qualität in einem Maße eingekauft, wie das der deutsche Markt bisher nicht kannte. Respekt vor den Bayern! Sie haben weder Geld geklaut, noch Kredite aufgenommen. Sie gehen ans Festgeldkonto und das tut der Liga gut. Ich bin davon überzeugt, dass Uli Hoeneß und Otmar Hitzfeldt diesen exquisiten Kader schnell in den Griff kriegen und der Deutsche Meister 2008 vermutlich Bayern München heißen wird. Aber: Soll keiner denken, die holen das Ding im Vorübergehen. Es wird hart und sie werden kämpfen müssen. Kapieren die Bayern Stars nicht, dass der Titel nur mit einer Teamleistung zu holen ist, wird es ein böses Erwachen an der Säbener Straße geben. Die Konkurenten Schalke 04, VfB Stuttgart, Werder Bremen werden jedenfalls nicht den roten Teppich ausrollen, um Autogramme bitten und Konfetti streuen.
VfB Stuttgart
Es wird kein leichtes Jahr für den VfB Stuttgart. Armin Veh und Horst Heldt sind belohnt worden für tolle Arbeit, die sie nun bestätigen müssen. Mit Timo Hildebrandt verliert der VfB einen sehr guten Torhüter, doch was schwerer wiegt: Er war die Integrationsfigur, der letzte der „Jungen Wilden“. Dieser Platz muss neu besetzt werden, hier ist Mario Gomez zusätzlich gefordert. Was die Qualitäten von Hildebrandts Nachfolger Raphael Schäfer angeht: Von ihm bin ich absolut überzeugt. Ebenso bin ich davon überzeugt, dass die Schwaben erneut eine gute Rolle spielen. Die Truppe ist toll zusammengestellt und wird den Bayern Paroli bieten können. Yildiray Bastürk erhöht die Qualität, wobei der VfB immer daran denken muss, dass die Champions League Kräfte fordert, die in der Bundesliga fehlen könnten.
FC Schalke 04
Der FC Schalke hat sich zu einem der herausragenden Klubs gemausert und dies wird so bleiben. Schalke ist immer interessant. Schon die Tragik mit dem Verlust von Platz eins zwei Spieltage vor Schluss fesselt das Fußballvolk. Dann das Theater um Regisseur Lincoln. Schalke lebt, Schalke bebt! Die großen und namhaften Transfers blieben aus. Westermann, Jones, Rakitic – man muss sehen, was die Jungs in der Bundesligaspitze bringen. Entscheidend wird sein, wie Mirko Slomka das Team ohne Regisseur auf- und einstellt. Aber vielleicht schlüpft ja schon jetzt der junge Özil in diese Rolle. Das Talent besitzt er, mal sehen, ob die Rückendeckung da ist. Schalke wird vorne mitspielen, dafür stehen Top-Leute wie Neuer, Bordon, Rafinha und Kurany.Ich goenne den Schalkern jedenfalls endlich mal die Meisterschale.
Werder Bremen
Wer weiß, wo meine Bremer Freunde in der vergangenen Saison gelandet wären, wenn das Thema Klose nicht wie eine fehlgeleitete Rakete ins Werder-Kontor eingeschlagen hätte. Fakt ist: Werder verfügt über einen exzellenten Kader, einen tollen Trainer und einen der besten Manager. Das Duo Schaaf/Allofs garantiert Qualität. Der Nachkauf Markus Rosenberg steht für diese „Supernasen“: Im Winter gekommen, avancierte der Schwede zum Top-Joker der Liga. Dieses Näschen und wieder einkehrende Harmonie wird im Verbund mit dem tollen Kader dafür sorgen, dass die Bremer auch in der neuen Saison ganz vorne mitspielen werden. Sensationelle Manndecker (Naldo/Mertesacker), ein tolles Mittelfeld (Frings, Borowski, Carlos Alberto, Diego) und Top-Stürmer wie Rosenberg und vermutlich noch etwas aus der Wundertuete von Schaaf und Allofs bürgen dafür.
Bayer 04 Leverkusen
Jede Saison hat ihr Überraschungsteam und ich traue Bayer Leverkusen diese Rolle in der kommenden Spielzeit durchaus zu. Mein Ex-Klub hat ordentlich investiert und mit fünf Nationalspielern und einem U21-Nationalspieler mächtig aufgerüstet. Der Verlust des Brasilianers Juan im Abwehrzentrum ist kaum aufzufangen, doch zwei deutsche Nationalspieler mit Sinkiewicz und Friedrich als „Ersatz“ klingen nicht übel. Links soll Arturo Vidal verteidigen, dem Vernehmen nach eines der größten Talente Südamerikas. Vorne dürfte Bundesliga-Torschützenkönig Fanis Gekas für de nötigen Buden sorgen. Dazu kommen Gresko, Sarpei und Dum als Ergänzungsspieler und bewährte Kräfte wie Adler, Castro, Rolfes, Barnetta und natürlich Bernd Schneider. Nein, schlecht klingt das nicht, ob es zur Überraschung reicht, müssen wir abwarten.
Dass die Bayer AG den Ausbau des Stadions bewilligt hat, sorgt ebenfalls fuer eine positive Aufbruchstimmung.
1. FC Nürnberg
Der erste Titel seit 39 Jahren, die erste Teilnahme am UEFA-Cup seit 22 Jahren – das Frankenland schunkelte, in Euphorie versetzt von Hans Meyer und dem FCN. Eine tolle Saison absolvierten die „Clubberer“, die nie in Abstiegsgefahr gerieten, den Pokal gewannen und für viel frischen Wind sorgten. Abzuwarten bleibt, wie der Abgang von Kapitän und Torhüter Raphael Schäfer verkraftet wird. Der erfahrene Tscheche Blazek sollte es sportlich ausgleichen können, doch es fehlt eine Führungsfigur. Der lange verletzte Kennedy wird den Platz von Markus Schroth einnehmen und gemeinsam mit Mintal, Vittek und Saenko das Offensivquartett der Nürnberger bilden. Mit den Neuzugaengen Peer Kluge und dem Ex Bochumer Supertechniker Misimovic kommt noch mehr Qualität ins Mittelfeld, eine tolle Ergänzung zu Mnari und Galasek. Fazit: Der Club wird wieder angenehm. An dieser Stelle auch mal ein dickes Lob an den oft gescholtenen Präsidenten Roth, denn ohne ihn wären die Erfolge beim 1. FCN nie möglich gewesen.
Borussia Dortmund
Es ist noch nicht lange her, da lag die Dortmunder Borussia auf der Intensivstation. Ich bin froh und dankbar, dass sie jetzt wieder mitmischt im Bundesligageschäft. Dieses Stadion, diese Tradition – das ist Bundesliga pur! Die vergangene Saison verlief wechselhaft, drei Trainer sprechen eine deutliche Sprache. Damit soll Schluss sein. Thomas Doll hat das Zeug zu einem großen Coach und der Kader verspricht einiges: Routiniers wie Petric und Klimowicz wurden verpflichtet, dazu Spieler wie der Pole Blaszykowski und Zweitliga-Schützenkönig Federico, die sich ganz oben beweisen wollen. Und natürlich mein alter Freund Robert Kovac, der mit Christian Wörns wie einst in Leverkusen hinten abräumen will und vor allen Dingen jede Menge Erfolgshunger und Siegermentalität ins Team bringen wird. Die Dortmunder könnten die positive Überraschungsmannschaft werden
Hannover 96
Dieter Hecking ist als Trainer sicherlich kein Lautsprecher. Doch die beharrliche Art des ehemaligen Stürmers bürgt für Qualität: Systematisch führte er Hannover aus dem Tabellenkeller ins sichere Mittelfeld, kratzte gar am UEFA-Cup-Platz. Sein Positionsfußball hilft den Profis, denen hier und da vielleicht etwas zur absoluten Spitze fehlt. Er ist einer der Trainer, der das Optimum aus einem Spieler herausholen kann. Ein Grund möglicherweise, warum ein Nationalspieler wie Mike Hanke nach Hannover wechselt. Oder warum ein Talent wie Jan Rosenthal allen Wechselgelüsten widersteht. Die Spieler wissen, dass mit Dieter Hecking in Hannover ruhig und seriös gearbeitet wird und die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich in dieser Ruhe fußballerisch verbessern werden größer ist als fast überall anders.
Hamburger SV
Dieser Hamburger SV ist einer der Klubs, deren Weg am schwierigsten zu prognostizieren ist. Einer katastrophalen Hinrunde mit dem Abstieg vor Augen folgte der Trainerwechsel von Thomas Doll zu Huub Stevens und die Rettung als letztlich zweitbestes Rückrundenteam inklusive Qualifikation für den UI-Cup. Es steckt viel in der Truppe, die hinten zusätzlich durch Frank Rost stabilisiert wurde und in der in Zukunft Mohamed Zidan vorne wirbeln wird. Doch ob sie es zeigen kann? Oder wieder Nerven und Verletzungspech einen Streich spielen werden? Entscheidend wird sein, wie Rafael van der Vaart durch die Saison kommt. Der Junge macht richtig Spaß, ist ein toller Kapitän und ein Spieler, der ein Match allein entscheiden kann. Wenn sich an seiner Seite einige Spieler leistungsmäßig hochziehen, dann wird der HSV wieder vorne mitspielen.
Hertha BSC Berlin
Er ist ein alter Hase, der Dieter Hoeneß. Mit allen Wassern gewaschen. Und trotzdem tut mir der Manager von Hertha BSC fast ein wenig Leid. Die spezielle Situation in der Hauptstadt, die hohe Erwartungshaltung, die mitunter schwierigen Charaktere im Kader, die viel Geld wollen für noch nicht gezeigte Leistung – all dies trägt nicht zum ruhigen Schlaf bei. Mit dem neuen Trainer Lucien Favre soll nun sportlicher Aufschwung erfolgen. Die Kreativen der letzten Jahre, Marcelinho und Bastürk, spielen woanders. Vielleicht kriegt der Schweizer die Berliner ja ans Laufen. Gönnen würde ich es Dieter Hoeneß auf alle Fälle. Mehr Siege und mehr Schlaf.
Seine Partner Michael Preetz und Geschaeftsfuehrer Ingo Schiller zaehlen jedenfalls zu den besten in ihrem Job.
VfL Bochum
Das Duo Stefan Kuntz/Marcel Koller trat an als große Unbekannte. Der eine als Trainer in Köln eher unglücklich, der andere auf mehreren Posten in der Zweiten Liga eher unauffällig – gemeinsam aber gaaanz stark. Als wahre Diamantenaugen zeigten sich K. und K. Torhüter Jaroslav Drobny, Angreifer Epalle und natürlich Torschützenkönig Theofanis Gekas – drei Einkäufe, die dem VfL die Klasse retteten. Sensationell gescoutet, leider nur für eine Spielzeit. Drobny und Gekas sind schon weg. Das Diamantenauge muss wieder spähen. Koller und Kuntz sind erneut gefragt. Ich wünsche ihnen, dass sie es packen.
Arminia Bielefeld
Von sich selbst zu behaupten, man sei ein bisschen bekloppt, das ist mir sicherlich nicht fremd. Ernst Middendorp sagt das auch gerne über sich und begründet so seine mitunter eigenwilligen Personalentscheidungen. Immerhin rettete der zuletzt in Südafrika und dem Iran tätige Trainer die Bielefelder Arminia in einem wahren Tanz auf der Rasierklinge vor dem Abstieg. Das war ein starkes Stück. Doch ausruhen geht nicht in Ostwestfalen: Middendorp muss Ersatz für Leistungsträger Heiko Westermann an die Bundesliga heranführen, das wird schwer genug. Störend kommt hinzu, dass die Schüco-Arena ausgebaut und die typisch Bielefelder Atmosphäre sicherlich leiden wird in der Baustelle.
Energie Cottbus
Energie Cottbus war sicherlich eine der Sensationsmannschaften der vergangenen Saison. Niemand hätte den Lausitzern zugetraut, den Klassenerhalt so früh zu packen. Kompliment an Petrick Sander, der sensationelle Arbeit leistete. Nun muss er damit leben, dass mit McKenna, Radu und Munteanu der Kapitän, der beste Vorbereiter und der beste Torschütze den Klub verlassen. Das spült Geld in die leeren Kassen, doch Sander muss erneut Spieler aus dem Hut zaubern, die gestern noch keiner kannte und morgen dafür sorgen sollen, dass der Klub aus Cottbus weiter in der Liga spielt. Wenn ich es einem zutraue, dann ihm!
Eintracht Frankfurt
In den vergangenen Jahren traten die Frankfurter an, um eine junge, in der Mehrzahl deutsche Mannschaft in der Liga zu etablieren. Nachdem klar wurde, wie schwer dies ist, hat nun ein Umdenken eingesetzt. Die namhaften Neuen heißen Medhi Mahdavikia und Junichi Inamoto und sie stammen nicht aus dem Taunus, sondern aus dem Iran und Japan. Immerhin spielt der Iraner seit Jahren in Deutschland und Inamoto, ein dynamischer Mittelfeldspieler, kickte in Italien und England. Dass es mit dem Etablieren klappt, dafür stehen Heribert Bruchhagen und Friedhelm Funkel, zwei seriöse, ruhige Zeitgenossen, die der Eintracht einen Plan verpassten. Funkel traue ich auch zu, den schwelenden Streit mit Albert Streit beizulegen. Klar ist: In guter Form ist er eine Verstärkung für jede Mannschaft.
VfL Wolfsburg
Fast keiner der großen Klubs füllte das Sommerloch so effektiv wie die „graue Maus“ aus Wolfsburg. Die Verpflichtung von Felix Magath schlug ordentlich ein, dazu dessen Inthronisierung als Trainer, Manager, Sportdirektor, Chefscout und Geschäftsführer. Hab’ ich noch was vergessen? Egal! Magath hat mehr Macht als jede andere Person in der Liga und mit VW und Vorstandschef Winterkorn finanzstarke und gewaltige Unterstützung im Rücken. Das kann einen Aufschwung geben, ähnlich wie in den neunziger Jahren in Leverkusen. Ich bin gespannt, wie Magath die Sache angeht, ob er für jeden Job die nötige Konzentration aufbringt und die unerlässliche Unterstützung bekommt. Denn nur ein perfekter Ablauf, eine richtig gute Organisation, garantieren den Erfolg. Die Zeiten der One-Man-Show sind eigentlich vorbei. Mal sehen, was Magath daraus macht.
Karlsruher SC
Diesen Durchmarsch hatte dem Karlsruher SC niemand zugetraut. Doch Trainer Ede Becker, ein ganz besonnener Mann, formte eine Mannschaft, die die zweite Liga dominierte. Nun muss er mit dem Verlust von Giovanni Federico leben, der nach Dortmund wechselt. Doch mit Christian Timm kam einer, der Klasse bereits nachgewiesen hat. Auch Alexander Iashvili wird im Angriff Akzente setzen, wo mit Kapllani ja noch der Zweite der Zweitliga-Torschützenliste wartet. Becker und sein Manager Rolf Dohmen, beide früher Profis beim KSC, haben klug eingekauft. Mal sehen, ob der Kader in der Bundesliga seinen Mann steht. Zu gönnen wäre es den Badenern. Nicht zuletzt weil ich gerne ins Wildparkstadion fahre. Man isst halt richtig gut in dieser Region....
Hansa Rostock
O weia, was war da los in Rostock! Dem Jubel nach dem Aufstieg folgte der Katzenjammer nach dem Urlaub. Manager Stefan Studer verlor den Privatkrieg gegen Trainer Frank Pagelsdorf und musste mitten in der Vorbereitung gehen. Verpflichtet waren bis dahin ganze zwei Spieler. Torwart Stefan Wächter und Nachwuchsstürmer Fin Bartels. Nun zieht bein Hansa, wieder der alte Manager Herbert Maronn die Strippen auf auf dem Markt. Aber auch fuer ihn ist es nicht leicht mit geringen Finanzmitteln stark einzukaufen. Für Frank Pagelsdorf wird es kein leichtes Unterfangen, unter diesen Voraussetzungen eine Truppe zu formen, die dem Abstieg entgeht.
MSV Duisburg
An der Spitze des MSV Duisburg steht ein Mann, der alles macht: Walter Hellmich ist Präsident, Mäzen, Stadionerbauerund Sportdirektor in einem. Sogar noch ein wenig mächtiger als Felix Magath, weil ihn keiner rausschmeißen kann. Gemeinsam mit Rudi Bommer formte er einen Kader, der den Abstieg verhindern soll. Ich bin gespannt auf den Stuermer Ishiaku, und die Neuzugaenge, Maicon und Laemy Keeper Tom Starke hat das Talent Georg Koch zu ersetzen.Ich persoenlich traue dem neuen Mittelfeldstar Tiffert einiges zu. Er hat zweifellos sehr viel Talent, nur muss er es jetzt auch einmal zeigen. Wenn Bommer sie schnell zu einer Einheit formt mit den Routiners um Ivica Grlic und Markus Kurth, dann kann dieser MSV einigen Mannschaften unangenehm werden.




















