Ich möchte nicht in der Haut der Bayern-Spieler stecken. Ich kann mir gut vorstellen, dass jetzt an der Säbener Straße der Baum brennt. Aber mal ehrlich - wer hat sich nicht darüber gefreut, dass die Münchner mal einen auf den Deckel bekommen haben? Jetzt sind die Bremer und der HSV wieder dran. Die Liga ist wieder richtig spannend. Da lacht mein Fußball-Herz. Aber was ist in München bloß los? Erst das müde 1:1 gegen Frankfurt, dann das peinliche 2:2 im UEFA-Cup gegen Englands Tabellen-Neunzehnten Bolton Wanderers. Und zum guten Schluss das Debakel in Stuttgart!
Die Münchner waren wohl noch vom Glanz ihrer tollen Spiele aus der jüngsten Vergangenheit geblendet. Und plötzlich kam der böse Onkel und hat denen voll einen mit dem Knüppel so auf den Kopf gehauen, dass sie Kreislaufstörungen bekamen. Da war kein Biss drin, kein Wille, keine Leidenschaft. Das war nicht Fußball zum Verlieben, das war Fußball zum Abgewöhnen. Wenn die Jungs nicht rennen, nützt dir auch der beste Kader der Welt nichts.
Für mich waren die Stuttgarter gestern noch nicht einmal überragend. Die sind um ihr Leben gelaufen, sie haben gefightet - das eben, was man immer erwarten muss. Spielerisch war das bei weitem nicht brillant. Und das sagt viel über den derzeitigen Zustand der Bayern aus. Karl-Heinz Rummenigge hat zuvor noch einen Benzinkanister und Streichhölzer ins Feuerchen geworfen, indem er Trainer Ottmar Hitzfeld wegen seiner Rotation im UEFA-Cup kritisierte. Dem Kalle hat gestunken, dass da 60000 Leute ins Stadion marschierten und Hitzfeld denen eine 1b-Truppe vor die Nase setzte. Kann ich verstehen. Aber klar ist auch, dass Hitzfeld einige Spieler schonen wollte, um im Liga-Alltag frische Spieler zu präsentieren. Auch das kann man nachvollziehen. Rummenigge hätte Hitzfeld nicht öffentlich an die Wand nageln sollen. Das war ein Fehler. Die beiden sollten jetzt mal zünftig essen gehen und sich die Meinung unter vier Augen geigen. Dann ist die Sache auch vom Tisch. Und greifen nach der Länderspielpause mit mächtig Wut im Bauch wieder an.
Noch etwas muss ich an dieser Stelle einfach los werden. Es tut mir körperlich weh, wenn ich sehe, wie die deutschen Klubs im Europacup untergehen. Es ist eben alle Jahre wieder das gleiche Spielchen: Am Ende sind die englischen, spanischen und italienischen Klubs unter sich. Die haben finanziell einfach ganz andere Möglichkeiten als wir. Das ist wie in der Formel 1. Ohne Moos ist nix los. Natürlich kann mal ein Auto mit weniger PS ein Rennen gewinnen. Aber der WM-Titel wird nie drin sein. Das muss man einfach akzeptieren. Damit wir auch auf Klubebene in Europa wieder an die Spitze kommen, müssen die Barrieren für Investoren weg. Qualität hat eben einen Preis. Und den musst du bezahlen, um oben mitzumischen.




















