Meister-Schätzle nur noch Spätzle - Reiner Calmund schreibt im EXPRESS
Ich hab‘ Hunger. Richtigen Appetit. Auf noch mehr Fußball in dieser Woche. Mich hat das Derby-Fieber gepackt, ich bin ganz jeck auf Gladbach gegen Kölle. Dieses Spiel ist das Salz in der Suppe. Und ich freue mich auf Delikatessen-Fußball in der Champions League und im UEFA-Cup. Hoffentlich bieten die deutschen Klubs Werder, Schalke oder Bayern etwas für Feinschmecker. Ein Hauptgang wurde gestern schon serviert: 25 Tore fielen in sechs Bundesliga-Spielen. Herrlich verrückte waren dabei wie das Hacken-Tor von Franck, dem Großen, Ribery für die Bayern. Oder das faule Ei, dass sich Schalkes Torwart Manuel Neuer beim 1:1 in Rostock fing. Spaß hat‘s gemacht, nur eine Mannschaft bekommt von mir ihr Fett ab: unser Meister.
Die Situation des VfB Stuttgart ist schon bedenklich. Die Schwaben geizen mit den Punkten, liegen nach dem bösen 1:4 in Hamburg nur noch einen Punkt von einem Abstiegsrang entfernt. Eine dicke Überraschung. Die Meister-Schätzle sind nur noch Spätzle. Die Gründe für den Absturz? Da tut sich auch ein schwerer Mann wie ich schwer. Der VfB hat ja gar nicht mal schlecht eingekauft. Aber es will einfach nicht laufen. Das fängt beim neuen Torwart Raphael Schäfer an, der nicht die Souveränität seines Vorgängers Timo Hildebrand ausstrahlt. Das geht über Abwehrchef Fernando Meira, der so schlimm spielt wie ich in der Badewanne singe. Und das hört bei Torjäger Mario Gomez auf, der vor dem Kasten derzeit nur noch Magerkost bietet. Beim Länderspiel in München habe ich mit Stuttgarts Boss Erwin Staudt gesprochen. Er ließ überhaupt keinen Zweifel daran, dass der Verein hinter Trainer Armin Veh und Manager Horst Heldt steht. Gut so, denn der VfB muss in dieser Situation einfach Ruhe bewahren.
Kommen wir zum Klassen-Primus. Liebe Bayern, seid mir nicht böse: Aber ich hatte gestern schon auf einen Ausrutscher von euch in Bochum gehofft. Pustekuchen, ihr seid zu souverän und habt einen überragenden und effektiven Spaß-Fußballer wie Ribery in euren Reihen. Nach dem Sieg hat der Rekordmeister schon ein fettes Punktepolster auf die Konkurrenten. Auf Werder und den HSV sind es sechs Zähler, auf Schalke schon neun. Das schmeckt mir nicht so, die Liga soll an der Spitze doch spannend bleiben! Gestern war ich in der BayArena. Und ich muss trotz des mageren 2:2 von Bayer gegen Dortmund sagen: Da tut sich was bei meinem langjährigen Klub. Ich bin überzeugt davon, dass Rudi Völler, Michael Skibbe und Co etwas auf den Weg gebracht haben, das Perspektive hat. Die Mischung stimmt, die Perspektive ist da. Wenn man die Aufbruchstimmung durch den Stadion-Ausbau nutzt, die jungen Spieler hält und zwei bis drei Top-Stars verpflichtet, dann wird Bayer dort wieder ankommen, wo es schon einmal war: ganz weit oben.
Für mich mehr als nur ein Nachtisch ist das Derby Gladbach gegen den FC. Borussias Präsident Rolf Königs hat mir erzählt, dass der Klub über 100 000 Karten für das Spiel hätte verkaufen können! Der pure Wahnsinn. Beide Klubs gehören wegen ihrer Tradition, des Umfelds, der Stadien, der Fans einfach ins Oberhaus. Ich wünsche mir ein attraktives 3:3. Ein Spiel, das so richtig mundet. Eines zum Sattgucken. Dann wäre ich rundum glücklich.




















